Video: „Pflanzenkohle – Stand der Forschung“ von Prof. Dr. Bruno Glaser

 

Professor Dr. Bruno Glaser von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eröffnet am 9. November 2018 die Fachtagung „Pflanzenkohle im kommunalen Kontext“ mit seiner Keynote zum Stand der Forschung im Bereich Pflanzenkohle.

Durch den Einsatz von Metaanalysen räumt Professor Glaser mit den Mythen und Falschinformationen über Pflanzenkohle auf und zeigt ein differenziertes, aber klares Bild zu den Vorteilen von Pflanzenkohle.

Der Fachverband Pflanzenkohle e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der klimafreundlichen Herstellung und Anwendung von Pflanzenkohle und veranstaltet jährlich eine Fachtagung.

 

Kamera: Caroline Kray und Benedikt Zimmermann
Schnitt und Ton: Benedikt Zimmermann

 

Interview: Rückblick UN-Klimakonferenz in Kattowitz

4 Fragen an Dr. Nikolas Hagemann, Beisitzer im Vorstand FVPK, Wissenschaftlicher Direktor des Ithaka Insituts Freiburg und PostDoc bei Agroscore Zürich.

 

Mit welchen Eindrücken kommen Sie aus Kattowitz zurück?

Dr. Nikolas Hagemann:  Die sogenannten Klimakonferenzen sind riesige und komplexe Veranstaltungen, mit den eigentlichen politischen Verhandlungen, den Ausstellungen und Vorträgen in den Länderpavillions, Podiumsdiskussionen und weiteren Vorträgen (side events) und den Ausstellungsständen – mit gut 20‘000 Teilnehmenden aus allen Ländern der Erde – entsprechend komplex sind die Eindrücke. Ich schwanke immer zwischen der Euphorie, dass die Regierenden der Welt es schaffen, sich trotz aller Konflikte auf diese Art an einen Tisch zu setzen und der Ernüchterung, dass alles nur in sehr kleinen Schritten voran geht.

Wie waren die Reaktionen auf Pflanzenkohle und PyCCS?

Dr. Nikolas Hagemann:  Nach wie vor ist Pflanzenkohle noch nicht jedem bekannt, doch sie stößt immer auf Interesse, vor allem, da sie aus praktisch jeder Biomasse hergestellt werden kann und vielfältig einsetzbar ist. Das Konzept des Pyrogenic Carbon Capture and Storage (PyCCS), d.h. die Pyrolyse von Biomasse, nicht nur um die Pflanzenkohle sinnvoll einzusetzen, sondern auch das entstehende Bio-Öl und idealerweise auch das Pyro-Gas zur Kohlenstoff-Speicherung einzusetzen, ist noch wenig bekannt. PyCCS muss offensiv beworben werden, und mit mehr Studien unterlegt werden, um in den Klimaverhandlungen wahrgenommen zu werden.

Welche Erfolge bringen Sie für uns mit?

Dr. Nikolas Hagemann:  Wir haben mit vielen Menschen aus Politik und Verbänden gesprochen, um die Pflanzenkohle und PyCCS zu bewerben, u.a. mit Vertretern der Weltbank, Plant for the Planet, der Klimaallianz und vielen mehr. Mit der Klimaallianz, die Städte beim Klimaschutz unterstützt, stehen wir als Fachverband in Kontakt, und versuchen, Pflanzenkohle in ihre Projekte zu integrieren.

Mit welchen Themen müssen sich Forscher und Anwender in den nächsten Jahren befassen, um das Potential der Pflanzenkohle noch besser auszuschöpfen?

Dr. Nikolas Hagemann:  Wir müssen Pflanzenkohle konsequent als CCS (Carbon Capture and Storage) darstellen, eben als PyCCS. Um das 2°C Ziel zu erreichen, ist es zwingend notwendig, COaktiv aus der Atmosphäre zu entziehen – Pflanzenkohle ist die einzige Technologie, die dafür bereits heute einsatzbereit und skalierbar ist. Das müssen wir wieder und immer wieder betonen.

Trotzdem ist es ein grundlegendes Problem, dass derzeit Landwirtschaft weiterhin nur als Verursacher des Klimawandels wahrgenommen wird. In den ohnehin wenigen Gesprächen zu Landwirtschaft geht es meist um Anpassung an den Klimawandel und Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen, aber meist nicht um Kohlenstoff-Sequestrierung. Die sogenannte „4 per 1000“ Initiative bewirbt den Boden als Kohlenstoff-Senke und ist damit unser natürlicher Partner – das muss nun systematisch aufgebaut werden.

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Interview: Zertifizierte Pflanzenkohle in Österreich für den Biolandbau zugelassen

3 Fragen an Gerald Dunst, Mitglied des Fachverbandes und Geschäftsführer der Firma Sonnenerde, Hersteller für Qualitätserden

 

Wie hilft die neue Zulassung Ihrem Unternehmen?

Gerald Dunst: Unser Betrieb wurde enorm dadurch gebremst, dass Pflanzenkohle im Biolandbau nicht zugelassen war. Das hat sich jetzt geändert: In Österreich haben wir seit Anfang November diese Zulassung generell für Pflanzenkohle, die EBC zertifiziert ist. Das ist ein echter Meilenstein. Die erforderlichen Grenzwerte für dieses Zertifikat haben unsere Kohlen vom ersten Tag an deutlich unterschritten. Deshalb ist unsere Pflanzenkohle ab sofort zertifiziert für den Biolandbau.

Seit wann gibt es die Firma Sonnenerde?

Gerald Dunst: Sonnenerde gibt es seit genau 20 Jahren. Davor war ich als selbstständiger Kompost-Berater international tätig und habe gemerkt, dass die meisten Anlagenbetreiber nicht am Produkt Kompost interessiert sind, sondern nur an der Abfallentsorgung. Mit der Gründung des eigenen Kompost- und Erdenwerkes wollte ich der Branche zeigen, was Kompost wirklich kann.

Wie kamen Sie zur Pflanzenkohle?

Gerald Dunst: Nach einem Vortrag von Bruno Glaser über Terra Preta wusste ich, dass mir Pflanzenkohle noch fehlt, um wirklich fruchtbare Erden zu entwickeln. Dann hat der spannende Weg begonnen, eine Anlage zu suchen. Danach hat es drei Jahre gedauert für die Bewilligung der Anlage und noch einmal drei Jahre, um sie in Dauerbetrieb zu bringen. Das war schon ein sehr mühsamer Weg.

Ich habe dann gezielt Produkte aus Pflanzenkohle entwickelt, die helfen, ein spezielles Problem zu lösen. Wir haben eigene Pflanzenkohle-Mischungen für Gülleaufbereitung oder eigene Futterkohlen, ganz spezielle Produkte, die genau dort eingesetzt werden können, wo sie wirken sollen. Das war der Schlüssel für den Vermarktungserfolg, der sich jetzt nach und nach einstellt.

Pressemitteilung – Pflanzenkohle: Zulassung für den Biobetrieb in Österreich

Leonberg, 14.12.2018

In einem Runderlass hat das Österreichische Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz Pflanzenkohle für den Biolandbau zugelassen. In Deutschland hingegen ist der Einsatz in der biologischen Landwirtschaft noch nicht klar geregelt.

„Eine solche Zulassung ist auch dringend für Deutschland nötig“, fordert Dr. Susanne Veser, Vorstand des Fachverbands Pflanzenkohle: „Pflanzenkohle vereint in sich so viele gute Eigenschaften und bietet ein breites Feld an Anwendungsmöglichkeiten – aber eine umfassende Zulassung ist noch nicht in Sicht.“

Ebenso wie in Österreich gilt für Deutschland die EU-Positivliste für erlaubte Düngemittel, Bodenverbesserer und Nährstoffe für die biologische Landwirtschaft. Da Pflanzenkohle noch unbekannt war, als diese Liste erstellt wurde, ist sie dort auch nicht verzeichnet.

In Österreich wurde diese Positivliste nun um eine Zulassung ergänzt, die solange gilt, bis die EU eine endgültige Entscheidung trifft. Bis dahin kann Pflanzenkohle in Österreich unter verschiedenen Bedingungen als Zusatz zu Wirtschaftsdüngern und Kompost eingesetzt werden und auch als Bodenhilfsstoff.

In Labor- und in Feldversuchen wurde wiederholt gezeigt, dass Pflanzenkohle Böden verbessern und zu höheren Erträgen führen kann, Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft verringert und Nitrat speichert. In der Tierhaltung kann Pflanzenkohle unter anderem als Futterzusatz und Einstreu eingesetzt werden. Zudem verringert ihre Anwendung in der Landwirtschaft den Einsatz chemischer Dünger und Pestizide.

Bei der Herstellung von Pflanzenkohle wird Biomasse wie unbehandelte Holzabfälle, Hecken-, Baum- oder Grasschnitt unter hohen Temperaturen und unter Sauerstoffabschluss karbonisiert. Der in der pflanzlichen Biomasse enthaltene Kohlenstoff wird bei der Pyrolyse langfristig in der Pflanzenkohle gebunden und dem CO2-Kreislauf entzogen – hierin liegt für den Klimaschutz ein großes Potenzial.

Weitere Informationen:

• fachverbandpflanzenkohle.org

• Fotomaterial vorhanden. Anfragen bitte an Dr. Veser.

Pressekontakt: Dr. Susanne Veser: Tel.: 0 71 52/33 11 09-2, E-Mail: Vorstand1@fvpk.de

 

Über den Fachverband

Der Fachverband bündelt die Interessen von Experten aus Wissenschaft und Praxis, die Pflanzenkohle endgültig aus ihrem Nischendasein führen wollen. Die Mitglieder wollen künftig das Thema Pflanzenkohle als neutrale Instanz einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.