Pflanzenkohle aus Wasserhyazinthen

Wasserhyazinthen

Wasserhyazinthen gehören zu den schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt. Sie befallen Gewässer in ganz Afrika und Asien und wachsen zu dichten Pflanzenteppichen heran. Dadurch machen Sie das Fischen auf Flüssen und Seen unmöglich, blockieren Häfen und ersticken das Leben unter dem Wasser. Die Organisation Char2Cool möchte hier mit Pflanzenkohle Abhilfe schaffen. Diese entsteht aus der Pyrolyse des Unkrauts und wird anschließend als Bodenverbesserer eingesetzt. Es ist ein tolles Projekt, das nicht nur die Gewässer befreit, sondern auch gleichzeitig die Landwirtschaft vor Ort verbessern kann.

Probleme mit Wasserhyazinthen
Probleme mit Wasserhyazinthen

“Ich konnte kein Wasser mehr sehen. Alle Flüsse und Seen waren dicht bewachsen mit Wasserhyazinthen. Unsere Fischer sind dadurch alle arbeitslos geworden.” So beschreibt Peter Bassey die Situation vor der Zusammenarbeit mit Char2Cool. Die Wasserhyazinthe befällt Gewässer in ganz Afrika. Die dichten Pflanzenteppiche versperren den Zugang zum Wasser, blockieren Häfen und legen Wasserkraftwerke lahm.

Eine Idee wird zum Pilotprojekt

Char2Cool sieht in den Wasserhyazinthen kein Unkraut, sondern ungenutzte Biomasse. Im März 2018 beginnt die Ideenfindung und seit Mitte 2019 nimmt das Projekt konkrete Züge an. Katharina Danner, Walter Danner und Olivia Thierley entwickeln das Char2Cool-Modell. Das Ergebnis ist ein Unternehmenskonzept, mit dem lokale Partner mit geringstem Startkapital eine eigene Produktion aufbauen können. Peter Bassey investierte 50 Euro und baute damit einen Char2Cool-Kiln für die Pflanzenkohle Produktion. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde aus dem Einmannbetrieb ein Unternehmen mit 14 Angestellten. “Letzte Woche habe ich meine 42. Tonne Pflanzenkohle produziert” erzählt er stolz, “Ich kann damit Geld verdienen und gleichzeitig unsere Flüsse von Wasserhyazinthen befreien. Die Fischer bedanken sich bei mir.” Mittlerweile hat Peter sogar andere Anwendungsmöglichkeiten für die Pflanzenkohle im Angebot, wie z.B. Seedballs.

Pflanzenkohle aus Wasserhyzinthen
Pflanzenkohle aus Wasserhyazinthen
Vom Klimakiller zum Klimaretter

Zusätzlich leistet das Projekt einen Beitrag zum Klimaschutz: Durch die Herstellung einer Tonne Wasserhyazinthen Pflanzenkohle werden ungefähr 300 Tonnen CO2 eingespart und gebunden. Damit kann der jährliche CO2 Fußabdruck von 27 Deutschen kompensiert werden.

Wenn Wasserhyazinthen absterben, sinken sie auf den Grund der Gewässer. Dort gibt es keinen Sauerstoff, daher entsteht bei der Zersetzung der Pflanze Methan. Methan ist ein Treibhausgas, das um ein vielfaches klimaschädlicher ist als CO2. Die Wasserhyazinthen werden durch die Ernte und Verarbeitung, vom Klimakiller zum Klimaretter.

Auch die produzierte Pflanzenkohle trägt zum Klimaschutz bei. Pflanzenkohle ist eine permanente Kohlenstoffsenke und vielseitiger Bodenverbesserer. Durch ihre porige Struktur kann sie Wasser und Nährstoffe aufnehmen und lagern. “Umso schlechter der Boden umso größer der Effekt der Pflanzenkohle” erklärt Olivia Thierley. “In Ghana wurden die Maiserträge damit vervierfacht. Es ist schwer zu begreifen, was so ein finanzieller Schub für die Bauern bedeutet. Stellen Sie sich vor wie sich Ihr Leben verändern würde, wenn Sie ab morgen das vierfache Ihres Gehalts bekommen.”

Lokale Märkte sollen die weitere Verbreitung fördern

Auch die Pflanzenkohle-Anwendung in Nigeria zeigt erste Erfolge, aber es gibt Hindernisse. Lokale Bauern können das finanzielle Risiko nicht eingehen, einen neuen Bodenverbesserer zu testen. Deshalb verteilt Peter Bassey seine Pflanzenkohle vorerst umsonst, während Char2Cool die Produktion finanziert. “Unser Modell ist so ausgelegt, dass die Produktion sich selbst finanzieren kann. Was uns fehlt ist der lokale Markt.” meint Walter Danner. Doch das soll sich bald ändern. Mit einem Pflanzenkohle-Lernzentrum, Backyard-Gardening-Projekten und Workshops plant Char2Cool den Bauern zu zeigen, wie sie mit Pflanzenkohle ihre Erträge steigern können. Das erzeugt Nachfrage und kreiert einen Markt für Wasserhyazinthen Pflanzenkohle.

Einen lokalen Markt für Pflanzenkohle zu schaffen ist Teil einer größeren Vision. “Unser Ziel ist es letztendlich einen Anreiz zur Nachahmung zu schaffen. Sobald es eine Nachfrage für Pflanzenkohle gibt werden mehr Menschen wie Peter die Pflanzenkohle-Produktion als Einkommensquelle für sich entdecken. Diese unterstützen wir dann beim Aufbau ihrer eigenen dezentralen Pflanzenkohle-Produktionen. Das schafft direkt Arbeitsplätze, erhöht die Erträge der Bauern und schützt das Klima.” so Katharina Danner.

„Unseren Plan, einen Demonstrationsgarten in Lagos zu errichten, konnten wir Corona-bedingt nicht umsetzen, weil es aus der Distanz ohne selbst vor Ort zu sein, nicht machbar war. Und da mit einem Wegfall von Reisebeschränkungen in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist, haben wir unser Konzept neu ausgerichtet und uns entschlossen in Zukunft gemeinsam mit Backyard Gardeners, die sogenannte High-Value-Crops wie z.B. Chili, Gemüse und Tabak anbauen, zu arbeiten um die Wirksamkeit der Pflanzenkohle zeigen zu können. Dies lässt sich auch von Deutschland aus steuern und bringt uns neue Erkenntnisse, sagt Walter Danner. Der monetäre Ertrag der Backyard Gardeners bringt das 3-fache an Ernteerträge pro Fläche und Jahr als auf landwirtschaftlichen Flächen die mit Pflanzenkohle verbessert wurden, weil diese nur einmal pro Jahr abgeerntet werden.

Briketts auf Pflanzenkohle
Briketts bringen einen lokalen Mehrwert, auch wenn die positive Klimabilanz damit wieder ausgeglichen ist.

Um die Weiterentwicklung des Projektes zu finanzieren, bietet Char2Cool e.V. seit Kurzem eine CO2-Kompensation an. Mit den Spendenerlösen aus den CO2-Zertfikaten soll ein weiterer Absatzmarkt für die geernteten Wasserhyazinthen entstehen, indem Briketts entwickelt werden die die Holzkohle ersetzen. Außerdem sollen mehr Unternehmer wie Peter Bassey in Ihrer Startphase gefördert und unterstützt werden.

Mehr Details, Projektfortschritte und Informationen zur CO2-Kompensation gibt es auf www.char2cool.de

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