Industrielle Großanlage

Für Pflanzenkohle-Nutzer im industriellen Maßstab eignen sich automatisierte Großanlagen, die nur einen geringen Personalaufwand erfordern. Prädestinierte Standorte sind Kompostwerke, Stadtgärtnereien, Bauernhöfe, Gemeinden, Klärwerke und Abfallentsorger. Die Großanlagen verfügen über geprüfte Abgassysteme. Die dort anfallenden Öle können optional abgeschieden und stofflich verwendet werden. Alternativ werden die Abgase vor Ort energetisch zur Reaktorheizung genutzt. Aus ökologischer Sicht bietet sich die stoffliche Pyrolyse-Öl-Nutzung z.B. in Asphalt an, da so deutlich mehr Kohlenstoff sequestriert werden kann.

Nachstehend sind fünf europäische Hersteller aufgeführt, deren Anlagen bereits verbreitet sind. Daneben gibt es auch Großanlagen-Hersteller in Amerika und Asien.

Biomacon

ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Rehburg bei Hannover. Die Firma wurde 2002 gegründet und ist aus dem Wunsch entstanden, ein wirkungsvolles Werkzeug gegen den Klimawandel zu schaffen. Unsere DECARBO Energy Systeme produzieren aus trockenen Hackschnitzeln effizient klimapositive Wärme und hochwertige Pflanzenkohle. Es werden Maschinen in drei unterschiedlichen Konfigurationen gebaut.

  • Edition H für HOME mit einer thermischen Leistung von 40 bis 100kW, Pflanzenkohleertrag 5 bis 12 kg/h
  • Edition F für FARMER mit einer thermischen Leistung von 100 bis 250kW, Pflanzenkohleertrag 10 bis 22 kg/h
  • Edition I für INDUSTRIE mit einer thermischen Leistung von 250 bis 600kW, Pflanzenkohleertrag 22 bis 55 kg/h

Zurzeit sind 14 Maschinen installiert, die mit Hackschnitzeln oder mit Pellets betrieben werden. In zwei weiteren Maschinen wird getrockneter Klärschlamm karbonisiert.

Carbon Terra

Carbon Terra ist der Hersteller des Schottdorf-Meilers und hat seinen Sitz im deutschen Wallerstein. Der Schottdorf-Meiler ist eine Durchlauf-Vergasungsanlage. Ergänzt durch einen Brenner, Dampfturbine und Energieerzeuger kann der Schottdorf-Meiler verschiedene Arten von organischen Reststoffen mit einem Wassergehalt von bis zu 40% verarbeiten.

Carbon Terra verwendet ausschließlich organische Abfälle. Täglich können mit 6t Biomasse-Input jeweils 2t Pflanzenkohle und 300kW Energie (Holzgas) erzeugt werden. Die Jahresproduktion kann pro Einheit bei bis zu 700t Pflanzenkohle liegen.

Etia – VTGreen / Biogreen

VTGreen ist Teil der Etia Group mit Hauptsitz im nordfranzösischen Compiègne. Etia entwickelt, fertigt und implementiert Technologien, um Kommunalabfälle, Pflanzenrückstände, tierischen Dünger und Klärschlämme zu verarbeiten.

Die Pyrolyse-Durchlauf-Anlage Biogreen wurde zwischen 2003 und 2019 schon 30 Mal an verschiedene Orte verkauft. Die Anlage ist für verschiedenen Prozessdauern und Temperaturen (bis zu 800°C) ausgelegt, um die Herstellung unterschiedlichster Pflanzenkohle-Qualitäten zu ermöglichen. Die Pyrolyseöle können aus dem Abgasstrom abgeschieden und stofflich verwertet werden, um die Kohlenstoff-Sequestrierung zu erhöhen (beispielsweise als Zuschlagstoff zu Asphalt).

Pyreg

Das deutsche Unternehmen mit seinem Sitz in Dörth wurde 2009 gegründet. Spezialisiert hat sich die Firma auf eine kompakte Durchlauf-Anlage für langsame Pyrolyse. Davon wurden in Europa bis 2019 bereits mehr als 25 verkauft, und auch auf dem amerikanischen und chinesischen Markt ist Pyreg bereits vertreten. Zu ihren Kunden gehören Kommunen, Industrieunternehmen, Landwirtschaftsbetriebe, Recyclinghöfe und Klärwerke.

Die Anlage Pyreg P500 kann bis zu 800t organische Reststoffe zu 230t Pflanzenkohle pro Jahr umwandeln und dabei 150kW Wärmeleistung bereitstellen. Mit einer P1500 können pro Jahr aus bis zu 2.300t Biomasse rund 680t Pflanzenkohle und 600kWth für weitere Zwecke (z.B. Trocknung, Nahwärmenetz) produziert werden.

Das System kommt mit unterschiedlichsten Biomassen zurecht: Klärschlamm, Gülle, Gärrest, Erntereste (Getreidespelzen und Stroh), Durchforstungsholz und Grünschnitt (Hackschnitzel oder Sägespäne) und Abfälle aus der Lebensmittelindustrie (Schalen, Kerne) sind nur einige Beispiele. Sehr feuchte Biomassen müssen jedoch im Vorfeld auf einen TS-Gehalt von mind. 65% getrocknet werden, bevor sie in einer Pyreg-Anlage karbonisiert werden können. Die entstehenden Pyrolysegase werden sauber verbrannt und energetisch zur Reaktorheizung genutzt.

Ökozentrum

Das Schweizer Unternehmen Ökozentrum hat seinen Sitz in Langenbruck. Es stellt Pyrolyse-Anlagen für verschiedene Lebensmittelanwendungen her – Ausgangspunkt war das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche.

Auch feuchte Biomasse mit einem Wassergehalt von bis zu 54% kann mit der Anlage bei sehr niedriger Sauerstoffzufuhr zu Pflanzenkohle umgewandelt werden. Pro Jahr können mit einer Anlage 900t feuchte Kaffeepulpe in etwa 260t Pflanzenkohle umgewandelt werden. Die Wärmeleistung beträgt 150kW. Die gewonnene Wärme wird dafür genutzt, um die Bohnen zu trocknen.

Die Anlagen wurden bereits in Vietnam, Peru, Brasilien gebaut und sind für Kunden in Afrika und Ost-Europa geplant.