Industrielle Großanlagen

Für Pflanzenkohle-Nutzer im industriellen Maßstab eignen sich automatisierte Großanlagen, die nur einen geringen Personalaufwand erfordern. Prädestinierte Standorte sind Kompostwerke, Stadtgärtnereien, Bauernhöfe, Gemeinden, Klärwerke und Abfallentsorger. Die Großanlagen verfügen über geprüfte Abgassysteme. Die dort anfallenden Öle können optional abgeschieden und stofflich verwendet werden. Alternativ werden die Abgase vor Ort energetisch zur Reaktorheizung genutzt. Aus ökologischer Sicht bietet sich die stoffliche Pyrolyse-Öl-Nutzung z.B. in Asphalt an, da so deutlich mehr Kohlenstoff sequestriert werden kann.

Nachstehend sind vier europäische Hersteller aufgeführt, deren Anlagen bereits verbreitet sind. Daneben gibt es auch Großanlagen-Hersteller in Amerika und Asien.
Carbon Terra

Carbon Terra ist der Hersteller des Schottdorf-Meilers und hat seinen Sitz im deutschen Wallerstein. Der Schottdorf-Meiler ist eine Durchlauf-Vergasungsanlage. Ergänzt durch einen Brenner, Dampfturbine und Energieerzeuger kann der Schottdorf-Meiler verschiedene Arten von organischen Reststoffen mit einem Wassergehalt von bis zu 40% verarbeiten.

Carbon Terra verwendet ausschließlich organische Abfälle. Täglich können mit 6 t Biomasse-Input jeweils 2 t Pflanzenkohle und 300 kW Energie (Holzgas) erzeugt werden. Die Jahresproduktion kann pro Einheit bei bis zu 700 t Pflanzenkohle liegen.

Etia – VTGreen / Biogreen

VTGreen ist Teil der Etia Group mit Hauptsitz im nordfranzösischen Compiègne. Etia entwickelt, fertigt und implementiert Technologien, um Kommunalabfälle, Pflanzenrückstände, tierischen Dünger und Klärschlämme zu verarbeiten.

Die Pyrolyse-Durchlauf-Anlage Biogreen wurde zwischen 2003 und 2019 schon 30 Mal an verschiedene Orte verkauft. Die Anlage ist für verschiedenen Prozessdauern und Temperaturen (bis zu 800°C) ausgelegt, um die Herstellung unterschiedlichster Pflanzenkohle-Qualitäten zu ermöglichen. Die Pyrolyseöle können aus dem Abgasstrom abgeschieden und stofflich verwertet werden, um die Kohlenstoff-Sequestrierung zu erhöhen (beispielsweise als Zuschlagstoff zu Asphalt).

Pyreg

Das deutsche Unternehmen mit seinem Sitz in Dörth wurde 2009 gegründet. Spezialisiert hat sich die Firma auf eine kompakte Durchlauf-Anlage für langsame Pyrolyse. Davon wurden in Europa bis 2019 bereits mehr als 20 verkauft und auch auf dem amerikanischen Markt ist Pyreg bereits vertreten. Zu ihren Kunden gehören Kommunen, Kompostwerke, Landwirtschaftsbetriebe, Recyclinghöfe und Klärwerke.

Die Anlage Pyreg 500 kann durchschnittlich pro Jahr 1.400 t organische Reststoffe zu 300 t Pflanzenkohle umwandeln und dabei 150kW Wärmeleistung bereitstellen.

Das System kommt mit niedrigen und hohen Wassergehalten zurecht: Klärschlamm, Gülle, Gärrest, Erntereste (Getreidespelzen und Stroh), Durchforstungsholz und Grünschnitt (Hackschnitzel oder Sägespäne) und Abfälle aus der Lebensmittelindustrie (Schalen oder Kerne). Die Pyrolysegase werden energetisch zur Reaktorheizung genutzt.

Ökozentrum

Das Schweizer Unternehmen Ökozentrum hat seinen Sitz in Langenbruck. Es stellt Pyrolyse-Anlagen für verschiedene Lebensmittelanwendungen her – Ausgangspunkt war das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche.

Auch feuchte Biomasse mit einem Wassergehalt von bis zu 54% kann mit der Anlage bei sehr niedriger Sauerstoffzufuhr zu Pflanzenkohle umgewandelt werden. Pro Jahr können mit einer Anlage 900 t feuchte Kaffeepulpe in etwa 260 t Pflanzenkohle umgewandelt werden. Die Wärmeleistung beträgt 150 kW. Die gewonnene Wärme wird dafür genutzt, um die Bohnen zu trocknen.

Die Anlagen wurden bereits in Vietnam, Peru, Brasilien gebaut und sind für Kunden in Afrika und Ost-Europa geplant.